Trennung - Schmerz wird nicht besser?
Die Trennung belastet mich bis heute vor allem deshalb, weil sie für mich nie wirklich nachvollziehbar war. Nicht die Beziehung selbst vermisse ich, sondern die Klarheit und einen respektvollen Abschluss.Während unserer etwa 1,5-jährigen Beziehung wurden meine Bedürfnisse häufig zurückgestellt. Emotionale Gespräche waren kaum möglich, Konflikte wurden nicht gemeinsam bearbeitet und vieles drehte sich um seine Wünsche und Themen. Mit der Zeit nahm er sich immer weniger Zeit für die Beziehung, gemeinsame Unternehmungen wurden seltener und Ausreden häufiger.Besonders prägend waren für mich zwei Situationen. Zum einen machte sein bester Freund mir gegenüber Annäherungsversuche. Als ich dies ansprach, wurde die Situation plötzlich gegen mich gewendet und ich wurde für den Konflikt verantwortlich gemacht. Als ich das Gespräch beenden wollte, um Abstand zu gewinnen, räumte er ohne mein Wissen seine Sachen aus meiner Wohnung. Dieses Verhalten empfand ich als emotionalen Druck.Zum anderen waren wir gemeinsam über meinen Geburtstag im Urlaub. Nachdem er enttäuscht war, dass er in einer bekannten Kirche nicht die Orgel spielen durfte, ließ er mich dort mehrere Stunden allein zurück, obwohl er wusste, dass mein Handy keinen Akku mehr hatte. Später stellte sich heraus, dass er anderen gegenüber behauptete, dort gespielt zu haben, und dies sogar mit einem irreführenden Video belegte. Dieses Verhalten empfand ich als unehrlich und respektlos.Ende Februar erreichte die Beziehung für mich einen Wendepunkt. Über mehrere Wochen versuchte ich, ein klärendes Gespräch zu führen. Stattdessen zog er sich zurück und ignorierte mich teilweise über Tage. Als ich schließlich aus Überforderung meine Schlüssel zurückforderte, kam es zu einem Gespräch. Ich machte deutlich, dass ich die Beziehung grundsätzlich wollte, aber nicht mehr mit der Situation umgehen konnte. Daraufhin erklärte er, er sei zu verletzt, um die Beziehung fortzuführen, und habe eine emotionale Mauer aufgebaut.In den darauffolgenden Wochen befanden wir uns in einer unklaren Situation. Die Initiative für Gespräche ging ausschließlich von mir aus. Seine Aussagen waren widersprüchlich: Einerseits sagte er, er wolle die Beziehung, andererseits könne er mir nicht geben, was ich brauche. Gleichzeitig brachte er erstmals Kritikpunkte an mir vor, die während der gesamten Beziehung nie thematisiert worden waren.Nach der Trennung vereinbarten wir zunächst, im Guten auseinanderzugehen und freundschaftlich verbunden zu bleiben. Dieses Angebot erwies sich jedoch nicht als aufrichtig. Selbst organisatorische Dinge, wie die Rückgabe unserer jeweiligen Gegenstände, konnten nicht respektvoll geklärt werden.Nach zwei Monaten ohne Kontakt erfuhr ich von einer Kollegin, dass er während unserer Beziehung Zeit mit einer anderen Frau verbracht haben soll. Diese Information löste bei mir starke Emotionen aus, weil sie viele der Zweifel, Lügen und Ungereimtheiten erneut aufwarf. Als ich ihn darauf ansprach und lediglich verstehen wollte, warum eine respektvolle Klärung nie möglich gewesen war, reagierte er abweisend und herablassend.Heute weiß ich, dass ich keine Beziehung mit ihm möchte und froh bin, dass die Beziehung beendet ist. Was mich jedoch verletzt hat, sind die Unehrlichkeit, die widersprüchlichen Aussagen, die falschen Hoffnungen und der respektlose Umgang vor und nach der Trennung. Die eigentliche Beziehung vermisse ich nicht. Was mir lange gefehlt hat, war Klarheit, Ehrlichkeit und ein fairer Abschluss.Rational weiß ich, dass es nicht so schlimm ist, anderen geht es schlimmer. Ich möchte die Beziehung nicht mehr, aber ich kriege es irgendwie nicht hin, mein Nervensystem zu regulieren und es tut doch noch weh. Was kann ich tun? Sollte ich mal zum Therapeuten?